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"Es
tut weh, nicht vorne zu sein"
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Von
Sport-Informations-Dienst (sid)
20.04.2007
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Die Spannung steigt vor Beginn
der neuen DTM-Saison - auch bei
Mercedes-Pilot Mika Häkkinen. "Mein Ziel ist es, zu gewinnen",
so der Finne klipp und klar. Im Interview mit dem
Sport-Informations-Dienst (sid) nimmt der der Ex-Formel-1-Pilot auch
Stellung zum Rücktritt von Michael Schumacher und einer
möglichen Rückkehr in die "Königsklasse".
sid: "Die neue
DTM-Saison steht vor der Tür. Aber vielleicht
erzählen Sie erstmal, wie Sie den Winter verbracht haben?"
Mika Häkkinen: "Was die sportliche Vorbereitung betrifft,
haben wir das neue Auto sehr gut entwickelt und in allen Bereichen
Fortschritte gemacht. Ansonsten ist der Winter immer sehr entspannt,
man genießt das Familienleben und denkt nicht so oft ans
Rennfahren."
sid: "Haben Sie mehr
trainiert als letztes Jahr?"
Häkkinen: "Ich habe nichts wirklich anders gemacht als in den
früheren Jahren. Denn die Leistungsfähigkeit und die
Ergebnisse in der DTM und überall im Rennsport resultieren
nicht wirklich direkt aus dem körperlichen Training des
Piloten. Das ist ein Teil des Geschäftes, aber den
größten Anteil hat die mentale Vorbereitung. Die
Tatsache, wie viel Vertrauen man in sich selbst hat und wie realistisch
man seine Möglichkeiten einschätzt."
sid: "In der vorigen
Saison haben Sie kein Rennen gewonnen. Wie sehen
Ihre Ziele für 2007 aus?"
Häkkinen: "Die Antwort darauf ist ganz einfach: Mein Ziel ist
es, zu gewinnen."
sid: "Wenn das
klappt, ist dann das nächste Ziel der
Meistertitel?"
Häkkinen: "Einen Titel zu gewinnen, ist immer eine
große Sache. Manchmal ist es schwierig, vor Beginn einer
Saison zu sagen, mein Ziel ist die Meisterschaft. Denn es ist so
kompliziert, es kann im Laufe eines Jahres so viel passieren. Selbst
wenn es für mich perfekt laufen würde, dann
würde das nicht automatisch bedeuten, dass ich den Titel
gewinne. Deshalb sollte man erstmal darüber sprechen, wie gut
man vorbereitet ist und ob man Rennen gewinnen kann. Wenn es gut
läuft, dann kann man Mitte der Saison auch über den
Titel reden. Jetzt wäre das noch zu früh, denn wir
wissen ja noch gar nicht, wie gut unsere Konkurrenten sein werden.
Vielleicht sind sie ja viel schneller als wir."
sid: "Wie zufrieden
sind Sie mit den ersten Testeindrücken
Ihres komplett neuen Autos?"
Häkkinen: "Ich bin sehr zuversichtlich. Das Auto ist gut, das
Team hat sehr gut gearbeitet. Es ist zuverlässig, das ist
wichtig. Und es macht unheimlich viel Spaß, das Auto zu
fahren."
sid: "Ist es ein
großer Schritt im Vergleich zum Auto der
letzten Saison?"
Häkkinen: "Ich habe das Gefühl, dass es ein
großer Schritt ist. Ich rede sehr optimistisch, und ich habe
auch meine Gründe dafür. Aber so lange wir nicht
wissen, wie gut die Konkurrenz ist, sollten wir mit den
Füßen auf dem Boden bleiben und uns auf unsere
Arbeit konzentrieren."
sid: "Ist es in der
DTM für einen Rennfahrer leichter, sein
Leben zu genießen, auch wenn er keine Rennen gewinnt?"
Häkkinen: "Nein, wenn man nicht gewinnt, ist das Leben immer
schwierig und macht eigentlich keinen Spaß.
Natürlich kann man das Leben als Rennfahrer auch
genießen, wenn man nicht gewinnt. Aber wenn deine
Persönlichkeit aufs Gewinnen ausgerichtet ist und du es hasst,
zu verlieren, fühlst du dich in so einer Situation nicht wohl
- so lange, bis du wieder gewinnst. Natürlich tut es weh,
nicht vorne zu sein. Aber wir arbeiten hart und hoffen, dass wir das
ändern können. Damit wir uns neben all den anderen
angenehmen Erlebnissen in der DTM auch wieder über Siege
freuen können."
sid: "Sie haben
Ihren Vertrag für die Saison 2007
verlängert. Haben Sie schon Pläne für die
Zeit danach?"
Häkkinen: "Im Moment genieße ich, was ich tue. Ich
habe keinen Grund, negativ über meine Zukunft in der DTM zu
denken. Natürlich kann man nicht nur von Tag zu Tag schauen,
sondern muss seine Zukunft ein wenig planen. Aber im Augenblick ist die
Situation gut."
sid: "Ihr alter
Weggefährte Michael Schumacher hat seine
Karriere beendet. Wie haben Sie diesen Entschluss gesehen? Glauben Sie,
dass die Formel 1 ihn vermissen wird?"
Häkkinen: "Ich respektiere diese Entscheidung, und ich
verstehe sie. Das wichtigste für einen Fahrer ist, dass er
sich wohlfühlt, mit dem was er tut. Ob die Formel 1 ihn
vermisst: Nein, das Leben geht weiter. Es kommen neue Fahrer, eine neue
Generation. So ist das einfach."
sid: "Wird Michael
irgendwann vergessen sein?"
Häkkinen: "Das wird nie passieren. Die Menschen werden auch
noch in Generationen über ihn reden. Einige werden ihn
vermissen, andere nicht."
sid: "Fühlten
Sie sich nach Ihrem Abschied aus der Formel 1
schon einmal vergessen?"
Häkkinen: "Nein. Aber mit der Zeit reden die Menschen
automatisch immer weniger über dich. Ich hoffe, dass sie mich
nicht vergessen."
sid: "Ist es ein
schönes Gefühl, von den Fans gemocht
zu werden?"
Häkkinen: "Ja klar, es ist definitiv schöner, gemocht
zu werden als gehasst. Man sollte nie etwas vorspielen, das ist nicht
der Sinn der Sache. Du musst du selbst sein. Zum Glück bin ich
ein positiver Mensch. Offen und kontaktfreudig. Ich liebe es, mich zu
unterhalten, neue Leute kennenzulernen. Damit habe ich kein Problem."
sid: "Also ist die
DTM der perfekte Platz für Sie. Dort ist es
viel einfacher, mit den Fans in Kontakt zu kommen als in der Formel 1,
oder?"
Häkkinen: "Beide Serien sind sehr fordernd. Die Formel 1 ist
natürlich viel härter, denn man reist viel mehr, hat
mehr Rennen, mehr Tests, mehr Druck. Deshalb beansprucht die Formel 1
einen Fahrer viel mehr als die DTM. Aber die DTM fordert dich in den
Rennen. Das ist der Grund, warum wir da sind, warum ich da bin.
Natürlich interessieren mich die Sachen, die am Rande der DTM
oder der Formel 1 passieren. Aber was mich am meisten interessiert, ist
gewinnen."
sid: "Im vorigen
Herbst haben Sie in Barcelona ein Formel-1-Auto von
McLaren-Mercedes getestet. Wollten Sie nur noch einmal das
Gefühl erleben oder haben Sie insgeheim doch ein bisschen an
ein Comeback gedacht?"
Häkkinen: "Es war hauptsächlich für mich, um
zu verstehen, was passiert. Das Team hatte längere Zeit keine
guten Ergebnisse. Ich wollte versuchen, zu helfen. Natürlich
haben viele Leute daraus ein großes Thema gemacht. Nach
fünf Jahren, wie kann er da helfen? Aber wir hatten einen
großartigen Testtag. Nach fünf Jahren ohne Formel 1
war es sehr interessant und angenehm. Ich konnte dem Team viele Daten
liefern. Sicher wäre es schön gewesen, am Ende des
Tages der Schnellste zu sein. Aber das wäre unrealistisch
gewesen, gar nicht denkbar, nach fünf Jahren Pause und beim
ersten Test von McLaren-Mercedes mit den Bridgestone-Reifen. Ich konnte
allerdings dem Team erklären, was ich denke, was sie besser
machen könnten."
sid: "Würden
Sie einen solchen Test gerne nochmal wiederholen?"
Häkkinen: "Auf jeden Fall."
sid: "Gibt es schon
Gespräche?"
Häkkinen: "Nein, aber Ron Dennis hält die
Tür immer offen. Ich werde es nochmal machen. Ich
weiß aber noch nicht, wann und wo. Warten wir mal ab."
(Sport-Informations-Dienst, Neuss)
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