Formel 1:

2001 - Mikas Abschied aus der Formel 1

Eine Karriere mit Höhen und Tiefen, die ihresgleichen sucht, geht zu Ende: Mika Häkkinen hängt seinen Helm nach der Saison 2001 an den Nagel. Zwar hieß es beim Saisonfinale in Japan im Oktober, der Finne würde wohl nur eine einjährige Auszeit nehmen, in Wirklichkeit war Mika und seiner Ehefrau Erja jedoch klar, dass eine Rückkehr in die Königsklasse nicht erfolgen wird.

Mika möchte mehr Zeit mit seiner Familie, mit Söhnchen Hugo verbringen und sich von all dem Stress, durch den er sich in den Vorjahren teilweise quälen musste, durch ein entspanntes Leben erholen. Die Saison 2001 war ohnehin bis auf ein paar Ausnahmen eine zum Vergessen. Beim Saisonauftakt im australischen Melbourne startete Mika zwar hinter den beiden Ferrari von Michael Schumacher und Rubens Barrichello von Position drei, fiel aufgrund eines Aufhängungsschadens an seinem McLaren-Mercedes nach einem daraus resultierenden Unfall jedoch aus. Ein Rennen später in Malaysia holte der "Fliegende Finne" lediglich einen WM-Zähler. Ein weiteres Rennen lief enttäuschend - in Brasilien kam der ehemalige Weltmeister mit einem Kupplungsschaden noch nicht einmal von der Startaufstellung weg.

Die wohl größte Enttäuschung in seiner Rennkarriere erlebte Mika beim fünften Saisonlauf in Barcelona: Nach einem fehlerfreien Rennen - Häkkinen startete hinter Schumacher von Platz zwei - führte der Finne unangefochten mit rund 30 Sekunden Vorsprung vor dem Kerpener. Die letzte Runde begann und die vielen finnischen Fans auf den Tribünen hielten schon ihre Fahnen bereit. Doch aus der zweiten Kurve kam ihr Liebling aus Vantaa ungewöhnlich langsam heraus. Warum? Lässt es Mika auf seiner letzten Runde derart ruhig angehen? Nein, da konnte etwas nicht stimmen, denn selbst auf der Geraden schien der Finne keinen Antrieb mehr zu verfügen und wenig später sprühten schon Funken aus dem Heck des MP4-16 und es fing an zu qualmen. Fassungslosigkeit in der McLaren-Box. Mikas letzte WM-Chancen waren wohl endgültig dahin. Schumacher hingegen im Glück: Der deutsche Ferrari-Star musste nur noch zu Ende fahren und war der Sieger des Großen Preises von Spanien.

Faire Geste nach dem Rennen: Michael Schumacher und Mika Häkkinen - der per Anhalter auf dem McLaren seines Teamkollegen David Coulthard mitfuhr - umarmten sich im parc fermé. Trotz der ganzen Dramatik brachte Mika noch sein typisches Lächeln über die Lippen. Doch die Enttäuschung galt es erst einmal zu verdauen. Auch der weitere Saisonverlauf war von Enttäuschungen geprägt: In Österreich und Monaco fiel Mika aus, in Kanada folgte hingegen der erste Lichtblick: Mika Häkkinen fuhr hinter den beiden Schumacher-Brüdern auf den dritten Rang und sicherte sich somit seinen ersten Podiumsplatz des Jahres.

Zur alten Stärke kehrte Mika beim Großen Preis von Großbritannien, McLarens Heimspiel, zurück: Erneut von Startplatz zwei hinter "Schumi" ins Rennen gegangen, übte der Finne stetig Druck auf den vor ihm fahrenden Weltmeister aus...und kam vorbei! Am Ende der Start- und Zielgeraden überholte er den roten Ferrari-Renner und fuhr einen überlegenden, routinierten Sieg nach Hause - er war wieder zurück! Sollte nun eine Siegesserie erfolgen? Nein! Beim Deutschland-Grand-Prix folgte bereits die nächste Enttäuschung: Mit einem Motorschaden fiel Häkkinen erneut aus.

Im Rahmen des Großen Preises von Italien in Monza, der von den Terroranschlägen des 11. September überschattet wurde, gab McLaren-Mercedes seine Fahrerpaarung für das Jahr 2002 offiziell bekannt: Kimi Räikkönen und David Coulthard. Somit wurde Mika durch seinen Landsmann - 2001 für Sauber in der Formel 1 unterwegs - ersetzt, für den sich der erfahrene, seit 1991 in der Formel 1 fahrende Pilot beim Teamchef Ron Dennis eingesetzt hatte. Zwar sah Mika auch in Monza nicht die Zielflagge, dafür meldete er sich einen Grand Prix später in Indianapolis umso eindrucksvoller zum wiederholten Male zurück: Im Warm-Up bei rot zu früh aus der Boxengasse herausgefahren, wurde Mika fürs Rennen um zwei Plätze nach hinten versetzt und startet somit von Rang vier. Sein Rennen gestaltete sich unauffällig. Häkkinen war mit sehr viel Sprit unterwegs. Doch die Strategie zahlte sich aus und Mika Häkkinen holte seinen zwanzigsten und letzten Grand-Prix-Sieg.

Auch beim Finale in Suzuka sah es zwischenzeitlich danach aus, als könne Mika erneut gewinnen, da er sich rundenlang vor dem damals schon als Weltmeister feststehenden Michael Schumacher in Führung halten konnte. Letztendlich reichte es jedoch nur zu Platz vier. Mit einer lieben Geste bedankte sich Mika bei seinem langjährigen Teamgefährten David Coulthard, der so oft zum Wohle des Teams und Mika selber Top-Resultate sausen ließ: Mika schenkte David den dritten Platz, sodass der Vizeweltmeister noch auf dem Podium zum Abschluss der Saison Champagner versprühen durfte. Trotz Mikas feststehender Entscheidung, die Formel 1 zu verlassen, fiel der Abschied dennoch nicht leicht. Die passende Ausrüstung für den Ruhestand bekam Mika von seinen Mechanikern (Foto). Ein schöner Abschied stellte auch die traditionelle Mercedes-Benz-Abschlussfeier "Stars & Cars" in Stuttgart-Untertürkheim dar: Zigtausend Fans pilgerten auf das Mercedes-Werksgelände um sich von ihrem Liebling Mika Häkkinen zu verabschieden und den neuen finnischen Blondschopf zu begrüßen - Kimi Räikkönen.


Infos über den MP4-16
Fotos aus der Saison 2001