Biografie:

Nachwuchsklassen: Formel Ford und Opel Lotus

Mika entschloss sich, trotz seiner unglaublichen Erfolge im finnischen Kartsport, dazu, 1987 in einen Formel-Monoposto zu wechseln. Ein weiterer Verbleib im Kart schien damals sicherer zu sein, speziell weil die Anzahl an interessierten Sponsoren - auch wenn man im Kartsport große Erfolge vorzuweisen hatte - nicht besonders üppig ausfiel.

Grund für den Wechsel in den Formel-Sport war laut Mika Häkkinen: "Finnland hatte schon einige Rallye-Weltmeister, ich hatte dort also nichts mehr zu beweisen. Ich liebte den Rallye-Sport, aber es war besser, in die Monoposti zu wechseln, weil wir dort mit Keke (Rosberg) bisher nur einen Weltmeister hatten. Wir sollten einige mehr haben." Seinen ersten Formel-Ford-Boliden mit der Bezeichnung 1600 kaufte Mika dem späteren Formel-1-Piloten JJ Lehto ab. Der Reynard war bereits ein Jahr alt.
Kari Sohlberg bildete fortan Häkkinens Management. Komplettiert wurde das Team von zwei Mechanikern. Man bestritt sowohl die finnische, als auch schwedische Meisterschaft und reiste zu den einzelnen Läufen mit einem Bus, in dem es auch zu übernachten galt. Ständig von zu Hause weg zu sein, störte den Finnen jedoch nie: "Ich hatte damit nie ein Problem. Schon als Kind war ich in der Kartszene viel auf Achse. Vier Tage lang waren wir mitunter im Auto unterwegs. Ständig schlief ich in irgendeinem Kombi. Seit ich 18 bin lebe ich nicht mehr Zuhause. Von daher habe ich auch kein Heimweh. Für mich ist das ganz normal."

Mika gewann sowohl den Titel in Schweden als auch in Finnland. Das britische Fachmagazin beschrieb Häkkinen damals als "Europas schnellsten Piloten in der Formel Ford 1600". Beim EM-Lauf im niederländischen Zandvoort fuhr der Finne mit einer Sekunde Vorsprung (!) auf die Pole-Position, verunfallte im Regen-Rennen jedoch. Ein Rennen später im belgischen Zolder gewann der "Fliegende Finne" und sicherte sich im Autosport-Magazin den Spitznamen "Quicker Mika". Aufgrund seiner außergewöhnlich guten Leistungen sprach schnell jeder vom Blondschopf aus dem Hohen Norden.

Ein entscheidender Moment in Mika Häkkinens Karriere war die Einladung vom Tabakkonzern Marlboro, der in der Formel 1 aktiv war und zahlreiche viel versprechende Nachwuchs-Talente ins britische Donington zu einem Sichtungslehrgang einlud. Mit Anhieb wusste Häkkinen die Jury, die u.a. aus Motorsport-Größen Wie Ron Dennis (McLaren-Teamchef) und dem ehemaligen britischen Formel-1-Weltmeister James Hunt bestand, zu überzeugen und sicherte sich somit, neben dem Schotten Allan McNish, für das darauf folgende Jahr ein Cockpit in der Vauxhall Lotus Rennserie (auch Opel Lotus genannt). Zuvor nahm er jedoch noch an dem populären Formel Ford Festival in Brands Hatch teil.

Hierzu hatte Häkkinen seinen Vorjahres-Formel-Ford gegen einen neuen eingetauscht. Im Vorlauf belegte er auf nasser Piste den dritten Rang. Im Viertelfinale machte Mika schließlich einen Fehler und musste sich mit Platz sechs zufrieden geben. Im Halbfinale kollidierte Häkkinen mit Neil Cunningham, der sich bei dem Unfall verletzte, jedoch nicht ernsthaft. Den Endlauf entschied der spätere Formel-1-Fahrer Eddie Irvine für sich, an dem Mika aufgrund seines Ausfalls logischerweise nicht hatte teilnehmen können.

1988 stieg Mika Häkkinen in die Formel Opel Lotus auf. Allan McNish war - wie bereits erwähnt - sein Teamkollege. Auf dem Programm standen in der Saison '88 jeweils zehn Rennen in der britischen und europäischen Meisterschaft. Wie in vielen Nachwuchsklassen kam es auch in dieser hauptsächlich auf das Talent der Piloten an. Kurz gesagt: An den Autos durfte nicht viel verändert werden, um eine Chancengleichheit zu garantieren. Mika und Allan fuhren für das Dragon-Team, das 1998 mit der Formel Opel-Lotus ebenfalls Neuland betrat. Gegründet wurde es von Hughie Absalom und Doug Bebb, zwei erfahrenen Männern in der Motorsportszene, da beide bereits in der Formel 1 in verschiedenen Bereichen tätig gewesen waren. Unterstützung erhielt man direkt von Marlboro, wodurch man auch mit Werbung des Tabakgiganten auf den Boliden ins Rennen ging.

Erkki Mustakari, ein finnischer Reporter, den Mika bereits beim Marlboro-Sichtungslehrgang in Donington kennen gelernt hatte und mit dem er fortan eng befreundet war, agierte als eine Art Pressesprecher des Finnen, dessen Englischkenntnisse noch nicht sonderlich ausgeprägt waren. Laut Teamchef Absalom hätte es jedoch nie wirklich große Verständigungs-Probleme gegeben, auch wenn man sich die ersten Monate größtenteils schriftlich verständigte: "Irgendwie kommt man schon dahinter, worum es geht. Auf jeden Fall haben wir viele technische Begriffe mit der Papiermethode erklärt."

Die Saison begann im April. Zuvor reiste Mika Häkkinen noch zurück in seine Heimat, um seinen Wehrdienst zu leisten und einen Englisch-Intensivkurs zu besuchen. Speziell der Teamgeist gefiel Mika während seiner Zeit beim Militär. "Da entwickelt man viel Mannschaftsgeist, was ich nie vergessen habe. Wir marschierten 20 oder 30 Kilometer im Wald bei finnischer Winterkälte und mussten dann noch Zelte aufbauen. Danach bist du so müde, dass du dich einfach nur noch hinlegen und schlafen willst. Dann arbeitest du im Team, in dem sich jeder auf jeden verlassen kann. Jeder hilft dem anderen. Das gilt auch für ein Team im Motorsport", erklärte Häkkinen noch Jahre später.

Das Jahr verlief für Mika Häkkinen und Allan McNish äußerst erfolgreich. Die beiden wechselten sich in Ihren Erfolgen ab. Speziell bei den Läufen zur Europameisterschaft glänzte Häkkinen. In Zandvoort sicherte er sich die Pole-Position und gewann, obwohl er zeitweise Probleme mit seinem Dragon-Boliden hatte. Die Saison begann mit drei zweiten Plätzen und einem Sieg in Silverstone. In drei von vier Rennen fuhr er zudem die schnellste Rennrunde. In Knockhill fiel er mit einem defekten Gaspedal in Führung liegend aus, in Thruxton drehte er zwar die schnellste Runde, wurde im Rennen aber nur Vierter. Das zweite EM-Rennen im Rahmen der Formel 1 in Paul Ricard nahm Häkkinen von der Pole aus in Angriff und gewann ebenfalls das Rennen. Der dritte EM-Lauf fand in Brands Hatch statt und war zugleich auch das achte Rennen der britischen Meisterschaft. Während McNish von Platz zwei startete, sicherte sich Häkkinen die elfte Startposition. Im Rennen regnete es, McNish wurde Zweiter, Mika Achter. Sieger war der Däne Henrik Larsen. In der britischen Meisterschaft führte McNish nun mit 120 Punkten, Häkkinen hatte 56 vorzuweisen und lag somit hinter Larsen (67) auf dem dritten Wertungsplatz.

Ebenfalls zur Europameisterschaft zählte das Rennen in Hockenheim. Kox stand vor Mika auf der Pole. Auf regennasser Fahrbahn hatte Häkkinen einen starken Start, musste aber Kox und Larsen passieren lassen und wurde letztendlich Vierter. Eine Woche später in Spa gewann Mika Häkkinen jedoch, obwohl er nur von Platz sechs gestartet war. Kox führte im Rennen und konnte sich vom zweitplatzierten Häkkinen absetzen. Aufgrund eines Unfalls und einer daraus resultierenden Safety-Car-Phase konnte Häkkinen auf Kox aufholen, ihn aus dem Windschatten überholen und gab die Führung bis ins Ziel nicht mehr ab. Der EM-Stand lautete nun: Häkkinen 77, Larsen 67, Kox 50 und McNish 37 Punkte. In Knutstorp gewann Häkkinen, in Brands Hatch wurde er Zweiter. Einen Lauf später auf dem Nürburgring konnte er im Nieselregen auf Trockenreifen zwar viele Plätze gutmachen, da sich vor ihm viele Boliden von der Strecke drehten, am Ende beschädigte er sein Auto bei einem Dreher jedoch selbst und wurde lediglich Zwölfter. Das Klassement der britischen Meisterschaft hieß nun Häkkinen 113, Larsen 100 und McNish 77 Punkte. Auf der irischen Strecke von Mondello Park sicherte sich McNish mit einem zweiten Platz den Titel in der britischen Meisterschaft, Häkkinen erzielte einen Start-Ziel-Sieg. McNish hatte 135 Zähler, Häkkinen 107.

Beim EM-Lauf in Estoril holte sich ein gewisser Heinz-Harald Frentzen die Pole und gewann auch das Rennen. Mika startete von Platz vier, wollte im Rennen Larsen überholen, mit dem er jedoch kollidierte und sich das Auto beschädigte. Am Ende wurde er nur als Dreizehnter gewertet. Larsen übernahm somit mit 115 Punkten vor Häkkinen (113) die Führung in der Europameisterschaft. Im spanischen Jerez de la Frontera - dem letzten Lauf der Saison - startete Häkkinen von Platz drei. Im Rennen wurde er vor seinem Kontrahenten Larsen Dritter. Mit nur einem Punkt Vorsprung gewann Mika Häkkinen (126) also die Europameisterschaft vor dem Dänen Henrik Larsen.

Nach der Saison meinte Mika: "Nach dem Formel Ford 1600 fühlte sich ein Wagen mit Slicks und Flügeln richtig schnell an. Doch jeder, der einmal Kart gefahren ist, kann sich anderen Monoposti anpassen. Die Rennen haben mir Spaß gemacht . Die Serie war einfach gut organisiert - man konnte neue Freunde kennenlernen. Ich bin auch zufrieden, wie ich gefahren bin. Sicher habe ich einige Fehler gemacht. Sie waren dumm, aber ich lerne daraus. Im nächsten Jahr werde ich Formel 3 fahren. Es gibt zwar Leute, die mich in der Formel 3000 sehen wollen, aber ich bin erst 20 und ich will erst in die Formel 3000, wenn ich mich reif dafür fühle. Ich muss erst einmal lernen, einen Formel-3-Boliden einzustellen."

Mit Bild- und Textmaterial aus Christopher Hiltons Mika-Häkkinen-Biografie

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